Dienstag, 24.02.2015

Meine liebsten Freunde der ewigen Kälte!

Lang ist es her, ich habe wohl den Mund etwas zu voll genommen als ich in meinem letzten Blogeintrag schrieb, dass ich bald wieder von mir hören lassen werde. Wobei bald ja auch ein undefinierbarer Begriff ist, also ehm tadaa da ist er, der neue Blogeintrag. Dieser „neue“ Blogeintrag wird wohl auch der letzte sein, den ich hier publiziere, denn schließlich war dieser Blog ja für mein Auslandsjahr in Togo gedacht, welches nun schon seit einem halben Jahr Teil der Vergangenheit ist.

Ein letzter Blick auf mein geliebtes Lomé

Ein halbes Jahr also, eigentlich gar nicht mal so lange, andererseits fühlt es sich an, als wären es schon zwei Jahre her, als ich meine sieben Sachen packte und das Land verließ, welches ich über 12 Monate ein bisschen kennen und wirklich lieben gelernt habe. In ein richtiges Sehnsuchtstief bin ich seitdem nicht gefallen, viel zu viel ist passiert, als das ich Zeit gehabt hätte, in alten Erinnerungen zu schwelgen und zurückliegenden Dingen hinterher zu trauern. Ich hatte nicht mal einen Monat Verschnaufpause, als es schon mit der Uni in Bonn los ging, also neue Umgebung, neue Leute, neues Leben. Ich habe dort mit einem Bachelor in Politik und Gesellschaft angefangen, mit dem Nebenfach Geographie. Mit diesen beiden Fächern möchte ich dann hinterher einen Master in Humanitärer Hilfe machen, wenn alles so nach meinen Vorstellungen läuft. Auf ähnlichem Pfade mache ich jetzt auch weiter, allerdings wechsele ich noch einmal die Uni und zwar nach Bochum, um meine Fächerkombination etwas zu optimieren.

Naja, auf jeden Fall gab es viele Umstellungen für mich, seit dem ich den afrikanischen Kontinent verlassen habe, welche mich aber dennoch nicht vergessen lassen haben, was ich für eine tolle Zeit in Togo hatte, und was ich von dort alles mitnehmen konnte. Ich möchte jetzt nicht von diesem ganzen Zeugs reden von wegen das ich mich selbst gefunden habe blabla, ich möchte eigentlich nur sagen das Togo mir immer wichtig und nah bleiben wird. Ich habe nicht vor, zu vergessen wie es war, von den Kids in der Schule stürmisch begrüßt zu werden und wie es war, die scharfen herrlichen Gerichte zu essen, nach denen man sich so satt fühlt, wie es hier glaube ich gar nicht möglich ist, sich gesättigt zu fühlen.

Ich habe übrigens einmal versucht, kulinarisch etwas Togoisches in unsere Küche zu bringen und habe mit einem Fertigpulver versucht, Fufu zu machen. Die Soße war sogar echt gut gelungen, leider war die Konsistenz vom Fufu keineswegs wie man sie aus Togo kennt. Der eigentlich gut stabile Teig, den man auf Grund seiner festen Konsistenz mit etwas Übung ausgezeichnet mit den Händen essen kann ohne sich komplett einzusauen, gelang mit dem Pulver ehrlich gesagt nur mittelmäßig bis eigentlich miserabel. Kurz gesagt, Es war kein Kloß, von dem man sich Stücke abreißen konnte, sondern eine kartoffelbreiartige Masse. Und versucht man mal Kartoffelpüree mit den Händen zu essen wird man schnell merken… so ist das ganz sicher nicht gedacht. Da ich aber vorher stundenlang davon geschwärmt hatte, dass togoisches Essen nun mal traditionellerweise mit der Hand gegessen wird, musste ich das also auch so durch ziehen. Ich habe dann also das Fufu meiner Familie serviert und alle mussten mit den Händen essen, ich habe einfach so getan als müsste das so, habe mich dann auch bemüht als alter Hase auf diesem Fachgebiet ganz gekonnt und galant mit den Händen zu essen, ohne mich komplett voll zu matschen – erfolglos! Insgesamt war es ein echtes Manifest der Freude, meinen Liebsten dabei zuzuschauen, wie sie verzweifelt versuchten, diese undefinierbare Masse irgendwie in den Mund zu bekommen, und wirklich aller liebst versuchten, mich in meinen Zubereitungskünsten nicht zu kritisieren. Meine Mutter sagte einfach immer wieder: „Ja, wenn man sich erst mal so richtig eingesaut hat, dann ist es ja eigentlich eh egal, dann schmeckts!“

Bedauerlicherweise habe ich von diesem Event keine Fotos gemacht, die Kamera hätte in unserem Zustand leider niemand mit den Händen anfassen können.

Fufu essen in Togo

 Ich habe mir vorgenommen, dass meine Arbeit in Togo mit den Kindern nicht damit erlöschen sollte, dass ein Jahresvertrag ausläuft, und eine andere Arbeit auf mich wartet.

Die Kinder und meine Organisation sollen trotzdem noch weiter zu meinem Leben gehören und auf meine Unterstützung zählen können.

Deswegen haben wir nach meiner Rückkehr den nächsten Schritt gewagt, und einen Verein gegründet. Wir, dass sind Familie und Freunde, darunter eine andere Freiwillige Theresa, welche 2012 ebenfalls bei Avenir Enfance Togo ihren Freiwilligendienst absolvierte. Die Patenschaften, welche wir während meines Jahres angefangen haben zu vermitteln, laufen jetzt über unseren frischen eigennützigen Verein ganz offiziell weiter und die Vision unseres neuen Vereins ist es, Kindern und ihren Familien in schwierigen Verhältnissen Unterstützung zu bieten. Wir nennen uns Afrika Herzen e.V. und werden mit unserer ersten Mitgliederversammlung am 21.03. richtig mit der Vereinsarbeit anfangen. Dazu seid ihr auch alle ganz herzlich eingeladen! Falls ihr euch auch für uns Afrika Herzen interessiert, hier einfach mal der Link zu unserer Homepage: www.afrikaherzen.de (die Homepage wird in Kürze freigegeben).

  Unser Vereinslogo

Wir hatten sogar schon ein kleines Vereinstreffen, bei dem uns mein Chef Benjamin aus Togo hier in Hilden besuchen kam, um alle Vereinsmitglieder kennen zu lernen.

Mit Benjamin in Köln Eine kleine Vorstellungsrunde

Ich würde mich wahnsinnig über weiteres Interesse von eurer Seite aus freuen und stehe immer für Fragen zur Verfügung!

An dieser Stelle wollte ich mich auch noch mal bei euch bedanken für die vielen Leser und Leserinnen meines Blogs und die lieben Kommentare! Es hat mir wahnsinnig Spaß gemacht, euch ein bisschen an meinem Leben in Togo teil haben zu lassen!

In diesem Sinne, ihr kennt die Devise: Haltet die Ohren Steif!

Eure Tata Marleen  

So, abschließend gibt es, wie es die Tradition eigentlich gar nicht mehr anders zulässt, einige Fotos von meiner Rückkehr!

Überraschungs-Willkommensfeier! Willkommensparty :) Moritz im traditionellen Gewand. Die Muslime tragen Dies in Togo häufig auch zum beten. Die erste Currywurst für Benjamin

Bis bald!

Donnerstag, 21.08.2014

So, jetzt Endspurt!

Meine lieben Freunde der Sonne!

Ich schätze, dieser Eintrag wird voraussichtlich der letzte Blogeintrag sein, den ich hier in Togo verfasse. Ich werde aber sobald ich nach Hause komme wieder von mir hören lassen. Meine Tage sind gezählt! Die Uhr, die meine übrig gebliebene Zeit anzeigt tickt immer lauter und die Kalenderblätter fallen immer schneller. Ja, welch epische Metapher! Bei dem Gedanken, dass ich in weniger als  Wochen wieder in Deutschland sein werde, weiß ich irgendwie gar nicht, wie ich mich fühlen soll. Es ist eine seltsame Kombination aus wahnsinniger Vorfreude und tiefer Wehmut. So viele Sachen, die mir in Deutschland fehlen werden, und so viele Sachen, auf die ich mich zu Hause freue. Irgendwie ein wenig äh beunruhigend, das mindestens 50% dieser Sachen etwas mit Essen zu tun haben. (Neein ich habe keine seltsame Beziehung zu Essen UNFUG!…)

Es gibt so Dinge, über die man sich nie so wirklich Gedanken macht, weil sie einfach immer da sind, man weiß eben gar nicht, wie es ist, so ganz ohne sie. Man nimmt sie einfach so hin, ohne sie zu bemerken und vor allem ohne sie wert zu schätzen. Eine dieser Sache ist meine Gesundheit. Ich bin früher vor Togo eigentlich nie wirklich krank gewesen, na klar, eine Grippe hier, ein Schnupfen da, aber sonderlich oft war das nicht und ich bin wegen vielen Sachen auch erst recht nicht zum Doktor gegangen oder musste irgendwelche verschreibungspflichtige Medikamente nehmen. Meist reichten irgendwelche Hausmittelchen und nach der Zeit geht das dann schon wieder weg und die Krankheit hat mich auch nicht wirklich an meinem Alltag gehindert. Ich habe den Zustand, immer gesund zu sein, nie so richtig realisiert und habe mich deswegen auch nie speziell deswegen als glücklich geschätzt. Hier in Togo habe ich gelernt, dass es ein ziemliches Privileg ist, gesund zu sein. Seit dem Tag, an dem ich Malaria bekam, ist kein einziger Tag verstrichen, an dem ich mal keine Medikamente nehmen musste. Bis zum heutigen Tag, und Malaria hatte ich Anfang Februar! Es ist egal ob es sich dabei um eine Verletzung am Fuß handelt oder Verdauungsprobleme, mein Körper wird damit alleine einfach nicht damit fertig. Sinnvollerweise habe ich jetzt kurz vor meiner Abfahrt noch mal eine nette Salmonelleninfektion bekommen, (selber schuld Marleen, wenn du immer Fleisch am Straßenrand kaufen musst) die seit fast 7 Wochen penetrant bleibt. Es gibt wirklich kaum einen Tag, an dem ich mich mal 100% gesund fühle, und diese Tatsache ist wahnsinnig ermüdend und frustrierend.

Seit meines letzten Blogeintrages ist wahrlich viel Zeit vergangen, es ist wirklich viel passiert, und das ist auch gut so, schließlich will ich meine letzte Zeit hier noch voll und ganz genießen. Mit den Kindern im Waisenhaus haben wir nach Ferienbeginn noch viele Ausflüge gemacht, jetzt sind aber alle Kinder nach Hause gefahren um einige Zeit bei ihren Familien zu bleiben. Wir haben ganz extra kein Wort darüber verloren, dass wir die Kids ja ab jetzt eigentlich nicht mehr wirklich sehen werden, weil während der Ferienkurse Jeanne und ich nicht mehr sonderlich viel arbeiten werden. Viel zu traurig und tränenreich war schon der Abschied, als ich bloß für einen Monat wieder nach Hause geflogen bin. Wenn es möglich ist, würde ich das wirklich nicht gerne noch einmal erleben.

Um das Land, in welchem ich jetzt fast ein ganzes Jahr gelebt habe, auch mal von anderen Seiten kennen zu lernen, haben Anna, Jenny und ich eine zwei-wöchige Reise durch Togo und teilweise durch Benin gemacht. Herum zu reisen hat finde ich verschiedene Facetten. Einmal ist es ganz schön anstrengend, immer nur ein oder zwei Nächte irgendwo zu bleiben und dann sofort wieder die Koffer zu packen und weiter zu ziehen. Auf der anderen Seite habe ich in diesen zwei Wochen so viele faszinierende Dinge gesehen, da weiß ich gar nicht wo ich anfangen oder aufhören soll. Ich hatte eigentlich überlegt, ein bisschen hier über die Reise zu berichten, aber ich habe es einfach nicht hingekriegt, relativ kurz, aber trotzdem die wichtigsten Sachen zu beschreiben, weil eigentlich jeder einzelne Tag lobenswert wäre, zu beschreiben. (Na gut, stimmt, die Tage an denen ich von morgens bis abends im Reisebus gesessen habe sind wohl doch nicht so furchtbar spannend. Wobei hey, ich habe erstaunliche Fähigkeiten bekommen im Geduld üben, im verkrüppelten-Positionen-schlafen und im eingeschlafene-Füße-wieder-aufwecken. Außerdem habe ich gelernt, dass es keine zu vollen Taxen gibt. „Jetzt passt niemand mehr hinein“, gibt es nicht, die Devise lautet „Was nicht passt, wird passend gemacht!“ Der Höhepunkt dessen war sicher unsere Rückfahrt nach Lomé in einem Auto, welches noch nicht mals ein Taxi war, und ich vorne im Auto den Beifahrersitz mit einem etwa doppelt so breiten Mann wie ich teilen musste, und mit dem linken Fuß neben der Bremse saß, was bedeutet das zwischen meinen Beine geschaltet wurde, und mein Po den Zugang zur Handbremse verhinderte. Naja da sage ich nur, Willkommen in Togo, Ca c’est l’Afrique! Gut, ehm, was ich eigentlich sagen wollte, dass ich während der Reise regelmäßig eine Art Report geschrieben habe, welcher zugegebenermaßen sehr ausführlich ausgefallen ist. Ich lasse euch hier einen Link dazu und wer vielleicht interessiert an Westafrika ist oder einfach Lust hat, über unsere Reise zu lesen, dann seit ihr ganz herzlich dazu eingeladen. In dem Bericht geht es allerdings auch sehr extrem um das Thema "Weiß sein in Afrika". 

Eine Reise durch Togo und Benin! (Link zum Bericht)

Hier mal ein paar Bilder um euch Ansporn zu geben den Bericht zu lesen

 

 

 

 

Reise hin oder her, natürlich geht auch unser Alltagsleben weiter. Was mich natürlich wieder zu einigen Anekdoten bringt.

Dieses Mal wollte ich euch mal von einigen Missverständnissen erzählen, die vor allem auf Grund von Sprachproblemen entstanden sind. Das heißt nicht, dass ich noch von großen Verständnisproblemen spreche, eigentlich ist mein Französisch jetzt doch recht akzeptabel, vielleicht sollte ich kein Professor der Eifelturmsprache werden, aber ich würde schon sagen das ich mich im französischen vernünftig ausdrücken und verständigen kann. Naja, einmal gab es da einen Typen, mit dem ich zunächst befreundet war, der aber im nach hinein doch gerne etwas mehr gehabt hätte. Nachdem ich ihm aber zu wissen gab, dass das nicht unbedingt in meinem Interesse lag verreiste er für eine etwas längere Zeit. Einige Monate später traf ich ihn zufällig wieder, und er fragte mich, ob ich meine Meinung geändert hätte. Daraufhin wollte ich ihm antworten, dass dieser Zug jetzt leider schon lange abgefahren ist. Ich habe diesen Ausdruck dann einfach genauso ins Französische übersetzt. Und das hat ihn wirklich vollkommen verwirrt und er fragte mich ob ich also jetzt schon mit dem Zug nach Deutschland fahren würde, eine Fernbeziehung würde für ihn aber auch auf jeden Fall in Frage kommen.

Eine andere Situation - dieses Mal beim Arzt. Eine meiner Mitbewohnerinnen hatte ein Problem mit ihrem Zeh. Wie man sich vorstellen kann, entzünden sich kleine Wunden am Fuß hier sehr schnell, vor allem weil man zu 90% mit Flipflops herum streift und überall dreckiger Sand auf den Straßen ist. Deswegen war ihr Zeh total vereitert. Das wollte sie dem Arzt auch erklären, kannte aber das französische Wort für Eiter nicht und hat es dann mit gelbem Sekret versucht. Sekret, hört sich ja im deutschen auch irgendwie universal an, also erzählte sie dem Doktor von ihrem gelben Sekret (Sekret dabei einfach ein bisschen französisch ausgesprochen) und wunderte sich, warum dieser sie nur mit Fragezeichen anschaute. Naja,irgendwie auch verständlich, wenn eine Patientin vor ihm sitzt und sagt: „Ich habe ein gelbes Geheimnis an meinem Zeh!“ (Wörterbucheintrag: Secret = Geheimnis)

Ansonsten unternehme ich im Moment ganz viel mit meinen Freunden, mache alle Sachen, die ich immer gerne gemacht habe, dazu zählt das sonntägliche Tschouk trinken, ich kann jetzt übrigens auch die verschiedenen Tschoukstände beurteilen und die Geschmäcker unterscheiden, die verschiedenen Sorten des Nationalgetränks. Es gelingt mir jetzt auch bereits, einige alltägliche togoische Gerichte zu kochen. Auch bin ich nun auf dem Höhepunkt meiner Handelkünsten angelangt. Zumindest wenn es ums Touristen-Shopping auf dem grandmarché (größter Markt in Lomé) geht. Dort werden unzählige „afrikanische“ Souvenirs verkauft, von der geschnitzten Maske bis zur Elefantenstatur. Da wir ja bald alle abreisen, sind natürlich auch wir alle an Mitbringsels für die Familie und Freunde interessiert. Und in diesen Gassen, in denen man von allen Seiten von Händlern zu sich gezogen wird und mit den 10-fach so hohen Preisen bombardiert wird als der wirkliche Preis, ohja, da herrscht ganz großes Kino, bis die werten Herren verstanden haben, dass wir keine zwei-Wochentouristen sind, die nicht wissen, dass man auf afrikanischen Märkten zu handeln hat, und das wir im Allgemeinen schon eine Ahnung haben, in welchen Preisklassen man sich wirklich befindet! Es ist jedes Mal wieder ein heikles Abenteuer!

 

Insgesamt weiß ich auf jeden Fall, dass mir hier unzählige Dinge fehlen werden! In diesem Sinne, ich freue mich auf euch!

Bis dahin, ihr kennt die Devise:

Haltet die Ohren steif,

wir sehen uns bald am "anderen Ende" der Welt!

eure Tata Marleen

 

Anhang

Was ihr wahrscheinlich schon alle ein bisschen vermisst habt sind meine wissenschaftlichen Forschungsberichte über Kakerlaken… Nun, ich habe jetzt festgestellt, dass Kakerlaken durch aus Kontakt zu uns Menschen suchen. Vielleicht sehnen sie sich nach menschlicher Liebe? Man weiß es nicht. Was ich aber weiß ist das ich eines Nachts davon aufwachte, dass Etwas über mein Bein krabbelte. Paranoide Marleen hat natürlich sofort den rechten Gedanken und voila, da ist tatsächlich so ein nettes Tierchen von Kakerlake unter mein Moskitonetz gekrochen und ist auf mir spazieren gegangen. (Körpergröße geschätzt 9cm, mit ausgefahrenen aufmuckenden Fühler (wrrügh!!!!)etwa 15cm lang, meine Angaben sind möglicherweise um den einen oder anderen Millimeter verschätzt, ich stand unterm Schock der Faszination!) Ich habe mich dann versucht gegen diesen Angriff zu wehren, leider ziemlich erfolglos. Ziemlich angewidert habe ich mich dann ins Bett von Jeanne gelegt und musste mir dann die ganze Nacht anhören, wie mein neuer Zimmermitbewohner in meinen Sachen rumwühlte! Eins muss man ihm lassen, er hat keinerlei Spuren hinterlassen. Am nächsten Morgen war es, als hätte der nächtliche Angriff nie statt gefunden. Leider habe ich seinen Leichnam dann einige Wochen später unter meinem Regal hervor gefegt. Laut Obduktionsbericht liegt der Todeszeitpunkt schon lange zurück, möge er in Frieden ruhen!

 

Donnerstag, 19.06.2014

„Tata, wenn mein Papa stirbt, darf ich dann auch mit ins Schwimmbad?“

Zitat der 5-jährigen Margareth in der Schule.

Hallo meine lieben Freunde der Sonne!

 Togo meldet 35 Grad im Schatten, es scheint, als habe ich bereits in so kurzer Zeit in Deutschland vergessen, wie man Hitze aushält. Ja ganz richtig, ich bin vor einigen Wochen wieder auf dem afrikanischen Kontinent gelandet und es fühlt sich fast an, als wären die vier läpschen Wochen in Deutschland gar nicht passiert. Ich will damit gar nicht leugnen, dass ich trotz des eigentlich ungewollten und doch recht unschönen Grund meiner Rückkehr wirklich die Zeit zu Hause genossen, und noch mal ganz viel Kraft getankt habe. Trotzdem bin ich wahnsinnig froh, wieder „daheim“ in meinem rotstaubigen Lomé zu sein. Jetzt bleiben mir noch knapp 3 Monate in Togo, und auch wenn das Ende im September sicher traurig sein wird, weiß ich auch, dass zu Hause auch ganz viel Schönes auf mich wartet.

  Ich bin wieder da!!!

 Im Moment ist in Togo Regenzeit. Das heißt, dass es an einigen Tagen deutlich kühler ist (so kühl, dass einige Kinder mit dicken Wollpullis und Fellstiefeln(!!!) in die Schule kommen). Wenn ich von deutlich kühler spreche, befinden wir uns aber immer noch im 30er-Bereich, welches mich dazu bringt, schon beim Anblick dieser dick eingepackten Menschen Schweißausbrüche zu bekomme. Die Regenzeit bringt abgesehen dieser kleinen Temperaturellen(gibt es dieses Wort?) Unterschieden einige Tücken mit sich. Man tut wirklich gut daran, wenn es mal wieder einen gigantischen Wolkenausbruch gegeben hat, ein Auto zu besitzen. Es ist ein ziemlich unangenehmes und auch nicht ganz ungefährliches Vergnügen, mit dem Moto auf den unansphaltierten Straßen zu fahren. Die verwandeln sich nämlich mit ein wenig Wasser zu riesigen Ackerflächen und kleinen Seen auf den Straßen. Dann versuchen alle Motos verzweifelt, über kleine noch nicht unterwassergesetzte Flächen zu fahren und es passiert nicht selten, dass man plötzlich schon mit dem Fuß in brauner matschartigen Pampe steht und sich fragt, wie der Motofahrer es verdammt noch mal hinkriegt, sich nicht ständig ordentlich zu maulen. Jedes Mal also wenn man um eine Ecke fährt, bangt man darum, auf eine halbwegs trockene Strecke zu treffen.

Wenn der Regen dann vergangen ist und die Erde wieder getrocknet ist, ist die ganze Straße zu einer hubbeligen BMX-Strecke geworden. Die Devise also: Es ist besser, mit dem Auto unterwegs zu sein, da kann man wenigstens nicht in Pfützen fallen. Das heißt, dass ich jetzt eigentlich immer mit dem Schulbus vom Waisenhaus zur Schule fahre. Dieser ist aber momentan ganz schön überfüllt, was des öfteren dazu führt, dass eine eigentlich sonst recht normale Fahrt ein wirklich krisisches Erlebnis wird. Wenn ich nämlich um 17.30 Uhr nach Hause fahre, muss ich meistens wirklich dringend aufs Klo weil es bei uns in der Schule nämlich nicht wirklich ein Klo gibt, es sei denn man hätte Lust über eine Treppenstufe in einen dunklen Raum zu pinkeln, welcher wirklich herpeserregene Düfte über den ganzen Schulhof ausstrahlen kann. Wenn man dann also im Bus sitzt und noch ein Kind auf den Schoß nehmen muss, welches dann bei jedem Hubbel auf der Straße auf deiner vollen Blase rum hopst…prost Mahlzeit und ganz großes Tennis! Gut äh genug von meiner Blase :D

Mit der Arbeit mit den Kindern läuft es ganz gut, sie sind momentan dabei, ihre Klausuren zu schreiben und müssen deswegen viel lernen. Deswegen gehen wir im Moment auch nicht schwimmen und machen keine Ausflüge aber in einigen Wochen ist diese Phase vorbei und dann geht unser altes Programm weiter.

Der Englischlehrer vom College hat mich neulich gebeten, an seiner Stelle mit den Kindern einige Klassenarbeiten zu schreiben, weil die Hauptprüfungen bei einigen leider recht schlecht ausgefallen sind, und die Kinder einen kleinen Ausgleich gut gebrauchen könnten. Deswegen habe ich mit ihnen jetzt ganz viel in der Gruppe gearbeitet, damit die Jungs und Mädels auch mal andere Methoden kennen lernen. Das hat sogar bis auf diverse Starterschwierigkeiten erstaunlich gut geklappt. (Mensch, wenn ich das jetzt so schreibe hört sich das tatsächlich recht harmlos an, das war es aber NICHT! Versucht mal, das Geschreie und Gerede von 50 Kindern zu übertönen, die alle in riesiger Aufruhe sind, weil sie jetzt auf einmal nicht mehr neben ihren Freundinnen und Freunden, sonder neben GANZ ANDEREN MENSCHEN an der ANDEREN SEITE DES RAUMES sitzen sollen!!! Da wäre ich aber auch aufgeregt!)Die Resultate dieser Arbeiten waren dann aber am Ende in den meisten Fällen wirklich gut und es hat Ihnen soweit ich weiß auch echt gefallen, denn jetzt fragen mich die Kinder immer, sobald ich in die Klasse komme, „Tata Marleen, machen wir heute wieder Gruppenarbeit?“

  

Ansonsten genieße ich mein Leben hier wie vorher.

Die angebrochene WM löst natürlich auch bei uns in Togo große Freude aus. Das Schöne ist, dass man als Togoer direkt eine 5fache Chance hat, das sein eigenes Team den heiligen Krug holt, denn als Togoer unterstützt man automatisch alle fünf afrikanischen Länder, die es bis zur Meisterschaft geschafft haben.

Bei der Frage nach dem Sieger, beim großen Duell Deutschland gegen Ghana, entstehen schon seit Monaten heiße Diskussionen. Nächsten Samstag werden wir dann mal sehen wer Recht hatte. Ob Sieger oder nicht, meine Freunde und Mitfreiwilligen, wir zusammen haben wirklich wahnsinnig Spaß an den Spielen, die man hier in fast jeder Bar auf großer Leinwand gucken kann. Bei Deutschlandspielen sind wir dann natürlich alle mit affektiertem Gegröle von der Partie!

 

Ein weiteres Phänomen, von welchem ich euch gerne erzählen würde ist ein etwas schwieriges Thema. Religion. Hier in Togo gibt es viele verschiedene Religionen, die Hauptreligionen könnte man mit dem Christentum, dem Islam und Vodoo-religionen in den Dorfregionen zusammen fassen. Das Tolle ist, dass diese Religionen wirklich ohne großes Tam Tam nebeneinander leben und keine Unterschiede zwischen den Menschen machen, nur weil sie eben einen „anderen“ Gott anbeten.

 Die Christen fächern sich in viele verschiedene Richtungen, die einen etwas extremer, die anderen weniger extrem, also gar nicht so anders als bei uns. Was man natürlich durchaus nicht verallgemeinern kann, mir aber trotzdem auffällt, ist das wahnsinnig starke Gottvertrauen. Dazu habe ich ein kleines Erlebnis, welches in Annas Projekt passiert ist. Ein Kind hatte einen Anfall, zu diesem Zeitpunkt war noch nicht klar, um was es sich hier für einen Anfall handelte, später kam heraus, dass es ein Epileptischer war. Als das Kind so auf dem Boden lag und zuckte, Anna darauf drängte, einen Krankenwagen oder Arzt zu rufen, entschieden die anwesenden Tatas, dass ärztliche Unterstützung ja nun eher zweitrangig zu behandeln sei. Nachdem ihre Chefin und die Mutter des Kindes nicht zu erreichen waren, gab es in den Augen der Tatas aus Hilflosigkeit nur noch Gott, der helfen konnte. Also wurden Gebete gesprochen, um dem Kind Kraft zur Genesung zu geben. Der Arzt selbst wurde viel später erst gerufen. Ich will nun ehrlich sein, und das Folgende ist nun wirklich meine ganz persönliche Ansicht, mit der ich weiß Gott niemanden kritisieren will. Aber ich, mich selbst als gläubigen Menschen betrachtet, bin der Meinung, dass man in solch einer Situation ja gerne zu Gott sprechen kann, aber es schadet ja nun wirklich nicht, Gott bei so etwas ein wenig unter die Arme zu greifen. Ein Freund bemerkte zu diesem Thema die Frage, ob Gott nicht die Menschen erschaffen hat, um sich gegenseitig zu helfen? Man kann doch nicht, Gottvertrauen hin oder her, ein krankes Kind auf dem Boden liegen lassen, ohne es anzufassen und ohne ihm zu helfen, weil Gott doch da ist, und das schon irgendwie alles regelt.

Diese Ansicht wurde dann aber auch am nächsten Tag geteilt, und nun gilt die Anweisung, im Notfall erst professionelle Hilfe zu rufen, und dann Gebete zu sprechen.

 

So, um euch mal nicht länger mit meinem Gesülze zu füllen, belasse ich es jetzt mal dabei. Gehet hin in Frieden, ich lasse bald wieder von mir hören, schließlich sind meine Tage in Togo gezählt!

Haltet die Ohren steif

Eure Freundin der Nacht

Tata Marleen

Hier zum Abschied noch einige Fotos 

Katholische Kirche Kirche auf dem Markt

So sehen übrigens die Klassenräume von innen aus, wenn es mal ordentlich regnet und der Himmel voller schwarzer Wolken ist. Da muss mal einer versuchen, was in seinen Büchern lesen zu können!

Das ist das Fußballstadium von Lomé.

Auf dem Schulhof

So, aus die Maus!

Dienstag, 29.04.2014

Junge Junge du!

So meine lieben Freunde der ewigen Kälte,

lang ist es her, und Vieles ist passiert!

Ganz vor ab, in diesem Moment bin ich nicht in Togo sondern überraschenderweise seit etwas mehr als einer Woche in der Bundesrepublik Deutschland in Hilden. Wie ich dahin gekommen bin ist eine etwas längere Erzählung. Ich habe nämlich seit etwa Februar meinen Körper ganz schön auf die Probe gestellt. Ich glaube ich habe jetzt jegliche erdenkliche Krankheit durchdekliniert, von den klassischen Tropenkrankheiten wie Malaria und Parasiten, die sich langsam in deinen Darm fressen, bis hin zur stupiden aber dennoch sehr schmerzhaften Stirnhöhlenvereiterung. Wie man letzteres in einem Land bekommen kann, indem man in der Mittagssonne ein Spiegelei auf Stein braten könnte… fragt mich nicht!

Es ist auch so, Jeanne und ich haben uns am Anfang unseres Jahres geschworen, uns keinen Ventilator für unsere Zimmer zu kaufen. Während also für die meisten unserer Mitbewohner der Ventilator überlebenswichtiges Utensil ist, lasse ich lieber die Finger von den Dingern und suhle mich lieber in meinem eigenen Schweiß ein. Ich habe nämlich einmal Nachts mit einem Ventilator vorm Bett geschlafen und am nächsten Morgen ein erbärmliches Wesen vorgefunden, welches verzweifelt versuchte, sich mit seinem eigenen Moskitonetz zuzudecken um sich vor der ausgehenden Kälte zu schützen. In diesem Moment habe ich mir dann doch irgendwie ein bisschen leid getan.

Irgendwie habe ich es aber trotzdem halbwegs geschafft, diese lästigen Krankheiten zu überstehen, bis ich dann aber eine Augeninfektion bekommen habe. Irgendetwas ist wohl in mein Auge geflogen, vielleicht ein nettes Insektchen oder ein Steinchen, dass weiß man nicht, und das hat sich dann ziemlich entzündet. Dadurch kann ich jetzt nur noch etwa 20% auf dem linken Auge sehen. Mir wurde dann von den Ärzten empfohlen, zurück nach Deutschland zu fliegen, damit man versuchen kann, diesen Zustand zu verbessern damit ich nicht mein ganzes Leben mit dieser Sehkraft leben muss. Das liegt nicht daran, dass togoische Ärzte inkompetent sind, nein, aber es ist nicht zu leugnen, dass die europäischen Technologien und Mittel in der Medizin weiter sind, als die in Togo. Auch wenn mich dauerhaft das starke Gefühl des Versagens ereilt, sehe ich schon ein, dass man mit dem Augenlicht nicht spielen sollte und der Gedanke, wie geplant im September wieder nach Hause zu kommen, wo mich dann die Ärzte bedauernd anschauen und sagen: „Wären Sie mal vor 5 Monaten zu uns gekommen, dann hätten wir noch etwas für Ihr Auge machen können“ zeigt mir, dass es schon die richtige Entscheidung war, nach Hause zu fliegen. Zum Glück sieht es jetzt ganz danach aus, als könnte ich in zwei bis drei Wochen wieder zurück in mein geliebtes Togo gehen, weil man erst mal einige Zeit abwarten muss, bevor man in meinem Fall eine richtige Behandlung anfangen kann. Ich habe also gute Hoffnungen, irgendwann wieder besser sehen zu können. Also ist dies nicht das Ende meines Freiwilligendienstes in Togo(!!!), sondern lediglich ein gesundheitlicher Besuch in Deutschland, der sich nicht allzu lange hinzieht.

Es ist es natürlich sehr schön, meine Lieben Leute hier in Hilden wieder zu sehen, die ich in Togo derbest vermisst habe, und mein Vollkornbrötchen mit Käse, von welchem ich in Togo des Öfteren geträumt habe, schmeckt mir wirklich ganz vorzüglich!

Sogar zum traditionellen Osterkonzert konnte ich mit meiner Familie gehen!

(Facebookeintrag weil ich sogar pünklich zum traditionellen Osterkonzert in Silbach anwesend sein konnte!!!)

Bloß die Kälte macht mir doch zu schaffen, während alle Anderen hier den kommenden Sommer in sogar teilweise kurzen Hosen begrüßen, wollte ich in den ersten Tage ohne 100 Decken nicht mal mein Bett verlassen. Als ich dann einmal bei 20 Grad mit Wolljacke und Winterjacke Fahrrad gefahren bin, und zum ersten Mal angefangen habe zu schwitzen, ist mir dann doch aufgefallen, dass es wohl doch kein Winter mehr ist.

Außerdem ist das Schlafen unter KEINEM Moskitonetz ein wahres Abenteuer! In meiner ersten Nacht fühlte ich mich vollkommen HILFLOS und allen Gefahren der Welt ausgesetzt!Ungeschützt vor den wilden Tieren die es in Hilden überhaupt nicht gibt! :D

Diese Verfluchte Kälte!!!

(Diese verfluchte Kälte!!! )

 Ich bin also nicht tot unglücklich hier zu sein. Es ist bloß so, dass ich eben eigentlich geplant hatte, erst im September Heimatluft zu schnuppern. Außerdem beschleicht mich oft der Gedanke, Etwas nicht geschafft zu haben. Denn es gibt einige Sachen in so einem anderen Land, die nicht einfach sind. Aber ich habe mich diesen Sachen immer irgendwie versucht zu stellen, und ich habe das auch immer gerne gemacht, ich mag mein Leben in Togo und ich habe gelernt, die Unterschiede und auch Schwierigkeiten dort zu schätzen. Außerdem gibt mir meine momentane Situation einen kleinen Vorgeschmack darauf, wie es sein wird, im September wieder nach Hause zu kommen. Meine Freunde fehlen mir, Tchouk zu trinken und auch wenn mir vieles der deutschen Küche in Togo gefehlt hatte, würde ich jetzt gerade viel dafür geben, Pâte mit einer Soße mit schleimiger Viskosität zu essen (hier genannt Gombo-soße).

Mit den Kollegen am Strand!

Christian, Bella, Landry und ich

Aber gut, daran kann ich jetzt momentan nichts ändern, und es hilft mir, mir selbst zu sagen, dass ich eben doch irgendwo nicht so schwach bin wie ich es mir einrede, weil ich trotz all dem wieder zurück nach Togo gehen werde! Ich bin dort nämlich noch nicht fertig und habe noch Einiges zu erledigen!

In diesem Sinne

Eure (von den Meisten wahrscheinlich gar nicht mal weit entfernte)

Tata Marleen

Am Flughafen

Am Flughafen...

Pünklich zum Eierfärben wieder in Deutschland!

Sogar pünklich zum Eierfärben!!

Verabschiedung

(Bei der Verabschiedung im Waisenheim...)

 

Donnerstag, 20.02.2014

Meine verehrten Freunde der Nacht!

….Und jetzt begehe ich den großen Höllenfehler, vor dem mich meine Entsendeorganisation so ausdrücklich gewarnt hatte, niemals niemals unbedacht Fotos von afrikanischen Sonnenuntergängen zu veröffentlichen. Wir laufen dabei nämlich Gefahr, Afrika als ein Land darzustellen und dieses „Land“ bloß auf seine Landschaften und Tiervielfalt zu beschränken, weil die meisten Menschen in Industrieländern nur dieses eine Bild von  „Afrika“ zu haben scheinen: die tolle rote Sonne, die in der weiten Ferne hinter einem Berg untergeht, wilde Tiere und äh… natürlich arme Menschen. Mit Sonnenuntergangsfotos bestätigen wir also bloß Stereotypen. Das Ganze streite ich ja auch gar nicht ab, aber Leute, ich kann mir nicht helfen, dieser Sonnenuntergang ist einfach atemberaubend schön!

~

 So, los geht’s! Schon seit 5 Monaten lebe ich jetzt in Togo! Viel ist passiert! Unter anderem durfte ich auf den herrlichen Geschmack von Tropenkrankheiten kommen, Malaria ist wirklich ganz vorzüglich… :s Egal, weiter im Text, in der letzten Zeit bin ich echt oft gereist. Anfang des Jahres war ich mit Anna während der Weihnachtsferien in Kpalimé, eine der größten Städte Togos, sogar größer als Hilden (als die Metropole Hilden!!!) Kpalimé liegt östlich von Lomé und ist sehr ländlich und mitten in den Bergen. Im Vergleich zum lauten Lomé war das kleine Dorf neben Kpalimé, indem wir während der Zeit genächtigt haben das reinste Paradies. Wirklich, wir haben Wasserfälle gesehen, haben uns im Fluss gewaschen (so richtig öko) und eine Wanderung im Djungel gemacht. Es war wirklich traumhaft schön!

  

In dem Moment, wo man tief einatmet, und den Duft(?!)wahrnimmt von Abgasen, verbrannten Müll, rauchig gebratenem Fleisch, frischen sowie auch altem Schweiß (JA ich kann das sehr gut unterscheiden!) und auch andere Ausstoßungen des Menschen, ich will da jetzt nicht weiter drauf eingehen wenn ihr versteht), dann weiß man, man ist wieder zu Hause in Lomé. Zu Hause… Ja verrückt, tatsächlich ist Lomé mein zu Hause. Egal wie oft man die Nase rümpfen, oder sich durch dichte Menschenmassen schlängeln muss, wie oft man auf dem Markt von zig Menschen zu sich gezogen wird und zugerufen bekommt: Yovo Yovo bonsoir, Tata Cherie ici, Ey, la blanche la! wie oft einem kurz das Herz stehen bleibt wenn ein Moto oder ein Karren wieder mal so nah an einem vorbei gezischt kommt, dass man förmlich schon seinen zerquetschten Fuß vor sich sehen kann, an all diese Dinge habe ich mich gewöhnt und angefangen, sie einfach zu meinem Leben hier dazu zu zählen.

  Fleischmarkt in Lomé

Das ist genauso, wie mit den Leuten, die immer durch die Straßen gehen und kaputte Schuhe reparieren. Man kann sie hören, wenn sie kommen, weil sie immer mit einem Stock auf eine Holzplatte klopfen um den Leuten anzukündigen, dass sie da sind. Am Anfang ist es mir nie gelungen, sie zu erwischen, vor allem weil ich nie lokalisieren konnte, wo das Klopfen jetzt genau her kam, aus unserer Straße, aus einer Seitenstraße? Keine Ahnung. Deswegen bin ich dann meist mit meinen Schuhen nach draußen gerannt, weil meine Sandalen eigentlich konstant kaputt sind (vielleicht wäre die Lösung einfach, ein neues Schuhpaar zu kaufen Marleen?) und habe niemanden gesehen, gut vielleicht einen Brotverkäufer, aber die erkennt man nicht am Klopfen sondern an der Hupe. Das ist aber auch nicht so einfach, weil die Hupe doppelt besetzt ist. Morgens bedeutet Jemand, der hupt meist, dass Brot oder Plastiktüten verkauft werden, ab Mittag ist aber das hupen Zeichen der Eisverkäufer, die mobil versuchen, Eis an die Leute zubringen. Hinter dieses System zu kommen ist aber eigentlich nicht so schwer… Naja, zurück zu den Schuhklopfern, ich schaffe es bereits, die Schuster fast immer zu erwischen. Ich habe bereits ein Schuhpaar 5 Mal reparieren lassen, dafür, dass ich es dann danach immer noch eine Woche länger tragen kann, bis es dann wieder auseinander fällt, aber das ist irrelevant…

Schuhster bei der Arbeit

Was ich aber eigentlich mit dieser Schuhgeschichte ausdrücken wollte, ist, dass viele Sachen zur Normalität geworden sind  und ich auch irgendwo verstanden habe, wie sie hier funktionieren. Das habe ich besonders fest gestellt, als ich für unser Zwischenseminar in Accra also in Ghana war. Plötzlich war wieder alles neu. Ich hatte keine Ahnung, wie man ein Trotro nimmt oder ein Sammeltaxi, (in Ghana gibt es nämlich KEINE MOTOS!!!)die Währung Cedis machte mir beim Umrechnen Probleme und sogar die Sprache war mir nicht mehr vertraut, obwohl ich immer gedacht habe, dass ich Englisch eigentlich deutlich besser sprechen kann als Französisch.

Mit Togo-Flagge unter der Ghana-Flagge

Ich bin am letzten Seminartag alleine wieder zurück nach Lomé gefahren, und habe mich für einige Momente ziemlich hilflos gefühlt, war plötzlich wieder vollkommen fremd, so wie vor 5 Monaten, als ich fremd in Togo war. Tja aber zum Glück sind die Ghanaer genauso hilfsbereite Menschen wie die Togoer, und so habe ich es dann trotzdem irgendwie geschafft, wieder in mein geliebtes Lomé zu kommen, um direkt ab der Grenze ein Moto zu nehmen, so ganz ohne Verwirrung und Sorge, in welche Richtung das Gefährt nun fahren wird. Ein einfaches: „Nach Hause, das ist da und da“ und schon geht es los. (In Ghana muss man immer darauf hören, welche Richtung ein Mann aus den Busfenstern ruft, um zu wissen wohin der Bus fährt, das kann unter Umständen bei 20 verschiedenen Bussen zu Verwirrung stiften…)

Diese Erfahrung hat mir auch ganz deutlich gezeigt, wie unterschiedlich die verschiedenen afrikanischen Länder doch sind, und unterstreicht noch mal, dass man niemals von Afrika als einem großen Land sprechen sollte, wo doch sowieso alles gleich arm ist. In Wahrheit sind Ghana und Togo zum Beispiel wirklich wahnsinnig unterschiedlich. Zum Beispiel: Wenn man in Accra ankommt gibt es dort nur Autos, Straßen mit Brücken und im Allgemeinen könnte man meinen, man sei in einer europäischen Großstadt. Als wir dort ankamen, standen wir bestimmt 2 Stunden im Stau und haben wirklich lange gebraucht um zu verstehen warum. Erstens, mit einem Auto kann man sich nicht mal so eben an allem dran vorbei schlängeln, nicht so wie in Lomé mit den Motos, zweitens, es gibt unzählig viele Ampeln, halt Stopp, die gibt es ja auch in Lomé, der Unterschied: In Lomé werden diese herrlichen roten Straßenbeleuchtungen schlicht weg ignoriert.

  Hafen in Ghana

Noch ein Wort zu unserem Zwischenseminar, welches von unserer Entsendeorganisation gemacht wird, um über unsere Probleme und Herausforderungen zu sprechen und zu reflektieren. Als ich all die Sorgen und Nöte der Anderen hörte, (die will ich ja jetzt auch nicht runter machen oder so) da wurde mir eine Sache klar:

 Leute, bei mir läuft doch eigentlich alles recht wie am Schnürrrchen!

Einige meiner Schüler nach dem Sportunterricht

Eine andere Geschichte wollte ich euch noch erzählen, die gar nichts mit dem vorher Erzählten zutun hat.

Als ich wieder nach Lomé kam, und schon auf togoischer Seite der Grenze war, forderte mich ein uniformierter Grenzarbeiter auf, meinen Reisepass vorzulegen. Gut, dachte ich mir, das muss wohl so sein. Dann legte er mir ein Stück Papier und einen Stift hin, hinter mir eine ziemlich lange Schlange an Leute, die alle darauf warteten, Togo betreten zu können. Das schien den werten Herren aber nicht zu stören, ich dachte, er macht ja nur seine Arbeit. „Und jetzt notieren Sie hier Namen und eine Nummer, unter der man Sie in Togo erreichen kann.“, strenger erhabender Ton in seiner Stimme. Gut, mache ich das, schreibe meine togoische Nummer auf und warte darauf, dass der Mann meinen Passport kontrolliert. Aber nichts da, er steckt den Zettel ein, grinst mich an und sagt: „Cool Marleen, du gefällst mir! Ich rufe dich dann morgen an, dann treffen wir uns mal, ich finde wir sollten Freunde werden,“ Seit dem ruft er mich ca. fünf Mal am Tag an um zu hören, wie es mir denn so geht und was ich heute und gestern gegessen habe. (Das interessante ist, dass es die Menschen hier tatsächlich wirklich interessiert, was man gegessen hat! „Ach wirklich, du hast Agbha gegessen? Oh wow ich auch, wie aufregend!“) Meinen Reisepass hat er sich nie angeguckt, ich hätte auch eine illegale Einwanderin sein können, eine Terroristin vielleicht sogar, er hätte es nicht gemerkt. Tja, so ist das hier manchmal. Und seltsamerweise macht mir Das auch kaum noch etwas aus, wie gesagt, die Macht der Gewohnheit.

Eine andere Geschichte: Unter der Woche muss ich jeden Dienstag noch spät Abends zu den Kindern ins Waisenhaus gehen, um mit ihnen ein bisschen Hausaufgaben zu machen, oder für Arbeiten zu üben. Ich komme dann immer erst gegen halb 10 nach Hause. Da ich nun aber immer alleine nach Hause komme und es ja auch manchmal nicht ganz ungefährlich ist, hier im Dunkeln durch die Gegend zu laufen, ist einer meiner Freunde deswegen stets in Sorge. Egal ob ich ihn seit Wochen vielleicht nicht mehr gesehen habe oder ob er noch vor einer Stunde bei uns war, ich bekomme jeden Dienstag um punkt halb 10 eine SMS von ihm, ob ich gut nach Hause gekommen bin und wie es bei der Arbeit lief.

Der Ein oder Andere mag diese zwei tollen Anekdoten jetzt als sinnfrei und nichtssagend kategorisieren, das ist schon okay, aber für mich sind solche Dinge ganz wichtig, weil jedes von solchen Erlebnissen und Erfahrungen mir mehr und mehr über die Menschen hier erzählt, über ihre Mentalität und ihr Verhalten. Ich sammle all diese Eindrücke und verwahre sie in einer ganz sicheren Ecke auf. Und manchmal, wenn ich etwas nicht verstehe, dann versuche ich, mit diesen einzelnen Teilen einen Puzzleausschnitt hinzukriegen, und es passiert sogar, dass ich dann einige Sachen wirklich besser verstehe.

Ich weiß zwar, dass dieses Puzzle niemals komplett ausgefüllt sein wird, aber vielleicht kann ich ja irgendwann ein bisschen erkennen, welches Motiv die einzelnen Teile darstellen.

In diesem Sinne,

haltet die Ohren steif

eure (sehr!!!) weise Freundin der Nacht

Tata Marleen   

  Im Schwimmbad

Togoische Hochzeit

  Bei einer Expidition in Kpalimé Tata Marleen und Tata Jeanne bei der Arbiet

  Wasserfall in Kpalimé Kpalimé das tägliche Gewusel

  Am Strand von Ghana

Anhang

Im Anschluss hier noch neues von Professor Dr. Unnütz, zu seinem neuen Buch „Die Kakerlake, der Schlappen und ich“. In diesem biologischhochwertigen Werk beschäftig sich Dr. Unnütz besonders mit dem Zusammenleben dieser Tiere und der menschlichen Spezis.

  1. Kakerlaken sind Meister der Tarnung! Trauen sie niemals einer Kakerlake die sich 2 Stunden halb kripierend auf dem Rücken räkelt! Sie stirbt nicht, sie macht das alles nur um euch zu verwirren!
  2. Um eine Kakerlake zu töten, verwenden sie Schuhe mit einer festen Sohle! Die Dinger sind verdammt widerstandsfähig!
  3. Um spät Abends eine Horde Kakerlaken auf der Terrasse zu töten, eignen sich an musikalischer Begleitung vor allem Werke wie der Soundtrack von Fluch der Karibik oder der Imperial Marsch, um die angemessene Dramatik noch zu steigern.

Ps: Schauen sie Kakerlaken niemals in die Augen, Das macht sie wütend! 

Mittwoch, 25.12.2013

Vom Ziegen schlachten bis zum Fest...

Hallo meine Lieben!

Ich wünsche euch allen frohe Weihnachten und einen juten Rutsch ins neue Jahr! 

Anbei schicke ich euch einige Fotos von unserer Weihnachtsfeier mit den Kindern, natürlich auch von den neuen Anziehsachen. Außerdem ist da noch ein Videoöchen, ich hoffe das könnt ihr euch angucken. 

Zum großen Fest am Strand gab es für die Kinder einen Festbraten. In diesem Falle hat unser Fondateur zwei Ziegen gekauf.

Zum großen Fest am Strand gab es für die Kinder einen Festbraten. In diesem Falle hat unser Fondateur zwei Ziegen gekauft, welche dann von uns (JA VON MIR AUCH!) geschlachtet. Ich musste den Kopf der Ziege fest halten während ihr dann die Kehle aufgeschnitten wurde, als Gast bei einem togoischen Fest sollte man diese Ehre keinesfalls ablehnen. 

Am Tag des Festes sind wir dann mit allen Kindern an den Strand in eine Anlage gefahren, wo die Kinder auf einen Spielplatz gehen und tanzen konnten. 

Hier haben die Kinder ihre Geschenke bekommen. Zu den Klamotten gab es noch einige Kleinigkeiten, die den Kindern Spaß machen. (Äh was ist das für ein Satz?Zunge raus)

So und hier sind unsere wunderschönen Anziehsachen, leider sind die Kinder alle etwas demotiviert auf dem Foto, wir haben schließlich den ganzen Tag RambaZamba gemacht, aber denkt euch die fröhlichen lachenden Gesichter dazu... 

Und hier kommt noch das Video, leider musste ich es vorher bei Youtube hochladen, aber diese  super Blogseite kann das nicht anders. 

Ganz liebe Grüße und noch ein wunscherschönes Fest, 

Eure Freundin der Nacht,

Tata Marleen

Donnerstag, 05.12.2013

Freunde des Nordens!

Ich sitze gerade an meinem Computer und habe SADO, oder auch Schweiß An Der Oberlippe. Ja, mir ist heiß! Furchtbar heiß! Aber naja, was soll man da machen? Ich bin eben in Togo, und das jetzt schon bald seit 3 Monaten! Verrückt! Während also zu diesem Zeitpunkt die meisten wie ich denke in dicken Pullis über den Weihnachtsmarkt gehen, sitze ich hier in Westafrika und möchte auch unbedingt in Weihnachtsstimmung kommen. Aber um ehrlich zu sein ist das nicht so einfach vor allem weil unser wunderschönes Lametta in der prallen Sonne dazu tendiert, einfach zu schmelzen.

Die Togoer scheinen sich aber zumindest sehr auf Weihnachten zu freuen. Während Jenny, Anna und ich (einige meiner WG-Mitglieder) halbwegs verzweifelt bei „All I want for Christmas is you“ durch die Wohnung hopsen um in das richtige „Feeling“ zu kommen, und damit auch so manch anderer Mitbewohnerin auf die Nerven gehen, kaufen hier überall Alle auf den Märkten kitschige Plastiktannenbäumchen, die auf Knopfdruck in wirklich PRACHTVOLLEN Farben leuchten. Großartig! Auch auf meiner Arbeit beginnt so langsam die Vorbereitung auf Weihnachten. Ich habe mir mit meinem Chef gemeinsam nun ein schönes Projekt überlegt, um auch den Waisen und Halbwaisenkindern ein schönes Fest zu bescheren. Von den Spenden, die ich bereits in Deutschland gesammelt habe, werden wir den Kindern zu Weihnachten geschneiderte Anziehsachen schenken. Hier noch mal ein ganz großes Dankeschön an alle Spender und Spenderinnen! Wir haben bereits für alle 50 Kinder schöne bunte traditionell-togoische (holla 4 Adjektive hintereinander!)Stoffe gekauft, woraus jetzt für alle Kinder ein komplettes maßgeschneidertes Outfit gemacht wird. Und das ist auch wirklich gut, denn ich kenne die Garderobe der Kinder bereits in und auswendig, da die Meisten insgesamt vielleicht 2 T-shirts und 2 Hosen bzw. die Mädchen Röcke besitzen. Außerdem werden viele der Weihnachtsklamotten in der Schneiderei(in welcher einige Mädchen des Waisenhauses eine Ausbildung machen) des Waisenhauses angefertigt, wodurch auch diese unterstützt wird.

Ich werde euch natürlich das Resultat dieser Geschenke fotografisch festhalten und schicken.

  Stoffmarkt

Auch ansonsten geht es in meinem Projekt recht gut von statten. Ab und zu gibt es Dinge, über die ich mich wirklich aufrege und die mich frustrieren, aber zum Glück habe ich ja meine liebe Partnerin Jeanne, mit der ich mich dann ab und zu laut auslassen kann über alles, was uns stört, und danach geht die Arbeit einfach weiter. Wir beide sind da wirklich ein gutes Team!  In der Schule arbeite ich unter der Woche recht lange, jeden Tag von halb 7 Uhr morgens bis Abends um halb 6. Das ist manchmal ganz schön anstrengend, aber dafür macht mir die Arbeit mit den Kindern auch echt viel Spaß. Meine Arbeit besteht darin, mit den kleineren Kindern in der école primaire (Grundschule) zu arbeiten, die schwächer sind als die Anderen. Das kann man sich wie Förderunterricht vorstellen, leider bekomme ich nicht genug Zeit mit den einzelnen Kindern, wodurch ich nicht besonders viel ausrichten kann wenn ich ein mal die Woche mit einem Kind lesen lernen, welches noch nicht mals das Alphabet kennt.

GEDULD MARLEEN!! Hier übrigens in traditioneller togoischer Kleidung

Pause

Außerdem arbeite ich mit den Klassen des Colleges (etwa 6. bis 9. Klasse). In ihrem Stundenplan gibt es nämlich sehr häufig Lücken, da ist zum Beispiel das Fach Musik, welches die Schüler großzügig 3 Mal die Woche haben, es aber gar keinen Musiklehrer gibt. In diesen Stunden, in denen die Kinder also eigentlich nur herum sitzen würden, mache ich mit den Schülern Unterricht in Englisch. Ich wiederhole mit ihnen die Themen im Unterricht, mache aber auch einige kreative Sachen mit den Kindern und gebe ihnen die Möglichkeit, mal intensiver und anders mit Themen zu arbeiten, als sie es im richtigen Unterricht können, ich muss ja schließlich keinen Stoff weiter durchnehmen. Das heißt, dass ich auf keinen Fall eine Lehrkraft ersetze, dass wäre ja schließlich nicht Sinn meines Freiwilligendienstes. Die Kinder haben daran auch Freude (das glaube äh hoffe ich zumindest) auch wenn es für mich manchmal schwierig ist, ihnen zu erklären was ich wirklich mit ihnen machen will. Das ist auch so mit Spielen, diese Kinder kennen einfach keine Spiele, die man in der Klasse macht, weil sie noch nie welche gemacht haben. Deswegen ist der Weg dahin, einer 40-köpfigen Klasse, die alle wild und aufgeregt durcheinander reden, das Spiel Galgenmännchen mit englischen Wörtern zu erklären, des öfteren wirklich kein leichter. Aber zumindest lohnt es sich, denn am Ende spielen wirklich alle voller Begeisterung mit. Auch habe ich fest gestellt, dass die Spiele für mich ein ausgezeichnetes Druckmittel sind um die Klasse ruhig zu halten. 

Eine Schulklasse bei der Arbeit

Das ist hier nämlich so ein Problem. Disziplin, Gehorsam und gutes Benehmen. Ich weiß, ich bewege mich nun auf einem sehr gefährlichen Gebiet und ich bin mir nicht sicher ob es eine gute Idee ist, darüber zu schreiben, da man sicher schnell die falschen Worte dafür verwenden kann, und das letzte was ich will sind hier irgendwelche Vorurteile zu verbreiten oder oberflächige Urteile zu fällen. Dennoch möchte ich es versuchen, und euch einfach mal einen Schulalltag schildern, einfach schildern, ohne dabei zu urteilen. (Bzw. werde ich das versuchen)

Es ist Montags morgen, die Schule beginnt um 7 Uhr, das wissen alle Kinder. Doch dennoch gibt es immer reichlich Schüler, die es nicht schaffen, pünktlich durchs Schultor zu kommen. Viele wohnen wirklich nah an der Schule, müssen kaum 5 Minuten bis zur Schule laufen, warum sind sie zu spät? Verschlafen? Zu viel getrödelt? Ohne Zweifel, Pünktlichkeit ist wichtig! Diesen Morgen sind es bestimmt 25 Kinder, die mindestens 10 Minuten zu spät eintrudeln. Der Surveillant (Man könnte diese Berufung mit „Aufpasser“ übersetzen) weiß, ohne Strafe können diese Kinder nicht in den Unterricht gehen. Also bekommt jedes dieser Kinder, manche zierliche 11 jährige Mädchen, manche starke 17 jährige Jungs, 4 Schläge mit dem Rohrstock in die Handfläche. Sie müssen ihm die Hände entgegen strecken, wer weg zieht, zurück weicht oder ähnliches bekommt noch 2 weitere Schläge auf den Po, bzw. auf die Oberschänkel. Weinend oder schreiend gehen die Kinder in ihre Klasse. Ob sie morgen wieder zu spät kommen, man weiß es nicht. Im Unterricht angelangt, der Lehrer hat die Tests der letzten Woche korrigiert und möchte nun die Unterschrift der Eltern unter der Note sehen. 10 Kinder können dies nicht tun. Unbedeutend sind ihre Begründungen. Können ihre Eltern überhaupt schreiben? Gibt es ihre Eltern überhaupt noch, sind sie Halbwaisen und leben in unserem Waisenhaus, was heißt das sie ihre Mütter oder Väter nur selten sehen? Oder haben sie ihre Tests verschludert oder haben es vergessen? Wie gesagt, es ist egal warum. Der Lehrer muss die Kinder bestrafen, wie er mir sagt: „Wo wäre denn sonst die Gerechtigkeit für die Kinder, die brav ihre Unterschrift abgeholt haben, und woher sollten die anderen Kinder sonst wissen, dass es wichtig ist, zuverlässig und zeitnah seine Aufgaben zu erledigen?“ Also bekommt jedes der Kinder mit dem Rohrstock 5 Schläge auf den Po. Die, die sich wehren oder zu laut weinen müssen ihre Schläge laut mit zählen. Ob die Kinder das nächste Mal ihre Unterschrift zeitnah vorlegen? Man weiß es nicht. Dann beginnt also nach 30 Minuten der Unterricht, so manch ein Kind kann kaum still auf seiner Bank sitzen, auf Grund der Schläge auf dem Po, so manch ein Kind kann den Stift kaum halten, weil die Handflächen noch vom Rohrstock brennen.

Ich hoffe, ich habe mich jetzt nicht falsch ausgedrückt, dieses Schulsystem ist eben ein anderes und in Togo laufen die Sachen eben nicht wie bei uns, dass muss ich akzeptieren. Ein kultureller Austausch besteht auch vor allem aus Toleranz.

Aber eins weiß ich, an das Schluchzen und Schreien der Kinder werde ich mich nie gewöhnen.

Das neue Schulgebäude des Colleges

So wenden wir uns einem weniger traurigen Thema zu. Hier in Togo geht bei mir nun oft ganz schön die Sause. Ich habe ziemlich viel Spaß mit meinen Freunden. Wir gehen oft feiern, tanzen, Fufu essen und Tchouk trinken. Ein Freund hat mir neulich auch mal die Universität von Lomé gezeigt, die ist wirklich riesig und vor allem wahnsinnig gut besucht!

Was mir immer Spaß macht, ist mit dem Moto unterwegs zu sein. Da sieht man nämlich immer die interessantesten Fahrzeuge auf der Straße. Da es meines Wissens nach keine togoische Auto-Industrie gibt, sind so gut wie alle Autos aus dem Ausland exportiert und dabei handelt es sich zum Großteil um Gebrauchtwagen. Es kommt also öfters vor, dass vor dir auf der Straße ein Anhänger steht mit der Aufschrift: Schützenfest Bierwagen Krombach, die Manuelle Pferdetherapie von Beate Sowieso mit einer netten deutschen Festnetznummer darunter oder auch der Sticker von ABI’83. Ich stelle mir dann immer vor, wer vor den Togoern dieses Auto besessen hat…

Geburtstagsfeier auf unserem Dach

Und nun willkommen wieder einmal bei: Unnütze Tierforschungen by Professor Kannnichtschlafenweil:

In Togo gibt es sehr viele Hühner, Ziegen, Hunde, Kühe, Esel und Schafe, die alle in den Straßen unterwegs sind. Ich habe also einige Forschungen bzgl. Dieser Tiere geführt.

Fakt: Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Hähne in unserer Straße zu einer gut geführten Untergrundorganisation, mit dem Namen: „Pure Provokation!“ gehören. Der Oberhahn teilt allen Hähnen bestimmte Zeiten zu, zu welchen sie sich auf den Müllberg vor meinem Fenster zu stellen und zu krähen haben. Das ist wirklich die einzige Lösung die ich sehe, um mir zu erklären wie es möglich ist, ab morgens um 3 Uhr bis in den Abend hinein zu krähen. Kein Hahn kann das an einem ganzen Tag alleine durch ziehen, die müssen sich absprechen und Schichtendienst schieben! 

Blödes Viech!

Ich denke mal jetzt ist der ädaqute Moment gekommen, an dem ich aufhören sollte, mit zu vielen Informationen um mich rum zu schmeißen.

In diesem Sinne halte ich weiter die Ohren steif und hoffe, dass ihr das auch noch fleißig tut!

Ich gebe mir Mühe, bald wieder zu schreiben. Bis dahin, ganz liebe weihnachtliche Grüße

Eure Freundin der Nacht

Tata Marleen

 

Und hier kommen noch ein paar Fotos Lächelnd

Ein paar Töpfe gefällig? Klingelingeling hier kommt der Eiermann! Sonnenuntergang am Strand WG-Party

Auf dem Markt Tchouk Tchouk trinken

Jeanne meine Projektpartnerin und ich beim togoischen Tanz! Unsere Schulglocke In der Pause auf dem Schulhof

Togoisches Essen ist doch super!

So, Schicht im Kasten!

 

Samstag, 26.10.2013

Kinder der Sonne!

 

Da sitze ich also bei 30 Grad mit einem togoischen Freund im tiefen Westen Afrikas, unzählige Kilometer von Deutschland entfernt, unter einem Palmdach, in den Händen eine Schale gefüllt mit Tchouk, einem traditionellen Bier Togo’s, welches so ziemlich wenig mit einem guten Glas Frankenheimer Alt zutun hat, sondern mich eher irgendwie an gegorenen Apfelsaft erinnert, erstaunlicherweise aber doch ganz bekömmlich ist, und auf einmal fängt dieser besagte Freund an, auf deutsch Otto Waalkes Parodie „Dänen lügen nicht“ zu singen. Mit einem leicht gefremdlichen, aber dennoch gut verständlichen Akzent sagt er: „Du hast wohl gedacht mit den Dänen, mit denen kannst du’s wohl machen. NEIN NEIN MEIN FREUUUND!“ Das Ganze gefolgt von einigen Strophen „Über der Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein…“ In diesem Moment kam mir der Gedanke, dass diese Welt wohl scheinbar doch nicht so groß und unterschiedlich ist, wie sie mir oft in den letzen Wochen vorgekommen war.

  ~

Über einen Monat bin ich jetzt schon in Togo! So langsam ist hier ein bisschen Rhythmus in unseren Alltag gekommen! Mir geht es gesundheitlich eigentlich ganz gut, bis jetzt haben mir das fremde Essen und Klima noch keine ernsthaften Beschwerden gemacht. Auch mit der Sprache geht es schritt für schritt bergauf, zwar verstehe ich noch immer nicht alles 100%ig, was aber auch daran liegt das viele Togoer für mein Krüppelfranzösisch zu schnell und manchmal zu undeutlich reden, aber zumindest kann ich mich jetzt eigentlich ganz gut mit meinen Mitmenschen unterhalten. Ich habe jetzt auch noch zusätzlich mit einem Französischkurs angefangen, um noch eloquenter zur werden J Was ich ganz vergessen habe beim letzten Mal zu erzählen:

Ich wohne hier mit 5 anderen Freiwilligen in einem Haus, dass von einem Togoer verwaltet wird. Er ist so eine Art Hausmeister und wohnt unter uns. Außerdem wohnen hier in Lomé einige Straßen weiter noch 3 andere Freiwillige.

Seit Anfang Oktober hat für mich und Jeanne, meine Projektpartnerin, die Arbeit in der Schule und im Waisenhaus angefangen.

Die Schule heißt „LES AMANDIERS“  und es ist eine breit gefächerte Schule, welche Kindergarten, Grundschule und Weiterführende Schule bis ca. 8. Klasse unter ein Dach packt. Dabei legt die Schule besonderen Schwerpunkt auf die Unterstützung von Waisen und Halbwaisenkindern. Das System und die Lehrmethoden sind, so weit ich mir schon Einblick in unsere Schule vermacht habe, keineswegs mit den Unseren vergleichbar. Allerdings kann und will ich dazu jetzt momentan besser nichts sagen, da braucht es noch sehr viel Zeit um das alles zu erfassen und auch die richtigen Worte dafür zu finden. Deswegen ist es auch eigentlich ziemlich praktisch, dass wir im Moment noch keinen festen Arbeitsplan haben und eher mal hier mal da sind, weil ich dadurch die Chance habe, alles zu beobachten und zu verstehen.

Nur eins vorab: Die Redensart: „Ich zieh dir gleich die Ohren lang!“ hat für mich jetzt eine ganz andere Bedeutung bekommen. Diesen Satz muss man hier leider tatsächlich wörtlich nehmen.

Was ich aber jetzt schon sagen kann, ist, dass die Kinder hier wirklich goldig sind! Sie nennen mich immer „Tata Marleen“, was soviel heißt wie Frau Lehrerin und sie lieben es zu tanzen und zu singen und haben einen unheimliche Spaß an der Schule.

Den anderen Teil meiner Arbeit, das Waisenhaus, finde ich schon jetzt echt schön! Das Waisenhaus ist ganz bei uns in der Nähe und wir werden dort größtenteils samstags arbeiten, weil die Kinder unter der Woche ja auch zur Schule gehen. Das finde ich eigentlich gar nicht mal so toll, weil mir das Wochenende ziemlich heilig ist, aber da werde ich mich schon mit arrangieren. Vor allem weil die Kinder im Waisenhaus wirklich großartig sind! Ich war zwar noch nicht ganz so oft da (deswegen kommt auch von meiner Arbeit dort später eine ausführlichere Berichtserstattung) aber die Atmosphäre und die Gemeinschaft dort sind ziemlich schön. Im Waisenhaus wohnen etwa 20 Kinder im Alter von 8 – 18 Jahren und Einige von ihnen besuchen auch unsere Schule. Unter der Woche helfe ich den Jungs und Mädels am Abend bei ihren Hausaufgaben und wiederhole ein bisschen, und danach wird meist gespielt oder gemütlich zusammen gesessen und gegessen. Samstags stehen Ausflüge auf dem Programm, unter anderem der Besuch ins Schwimmbad! Darüber werde ich aber, wie schon gesagt, in einiger Zeit noch mehr erzählen Lächelnd

Mit einigen Kindern am Strand

Nun ja, soviel erst mal zu meiner Arbeit. Wir unternehmen hier echt viel! Sonntags gehen wir manchmal früh morgens an den Strand um zu schwimmen und Beachvolleyball zu spielen. Naja, also ich gucke da eher zu, sobald es um Ballsport geht bin ich in der Regel so ziemlich unbrauchbar…. J Hier zu schwimmen ist aber echt cool, wobei schwimmen wohl eher das falsche Wort ist. Die Wellen sind so gigantisch hoch, dass man erstmal nicht weit raus schwimmen sollte, es aber auch eigentlich ziemlich schlecht kann, weil man immer wieder an Land geschleudert wird. Das Ganze macht aber wirklich unheimlichen Spaß und Trallala, man muss bloß ein bisschen aufpassen, weil es schnell auch ziemlich gefährlich werden kann, wenn man abtreibt. Das Wasser ist leider echt grottig, man wird ständig von Müll  angeschwommen. Der noch am natürlichste Meeresbewohner dem ich bis jetzt begegnet bin war eine alte Sardinen-Dose.

La plage

Am Strand

Ansonsten verbringen wir viel Zeit mit unseren Togoischen Freunden, die uns des öfteren auch zu sich zum Essen einladen, oder (zum großen Verlust unserer Ölvorräte, die togoische Küche ist SEHR ölspendabel) bei uns in der Küche kochen, wodurch wir die traditionelle Küche besser kennen lernen.

 

Das Essen ist hier auch so ein Phänomen! Generell kann man zum togoischen Essen sagen: Es ist scharf! Es ist verdammt scharf! Es gibt hier so eine Art kleine Chilli, die nennen sich Pimants, die wirklich ein tolles Aroma haben, aber nur in kleinen Mengen zu genießen sein sollten. Einmal habe ich eine Ganze gegessen, weil ich nichts gesehen habe weil es dunkel war, danach habe ich erst mal ordentlich geweint und seit dem macht mir die Schärfe gar nicht mal mehr so viel aus. Man isst hier viele breiartige Gerichte. Es gibt hier zum Beispiel eine Wurzel, die heißt Yams, und daraus macht man Fufu. Ich weiß leider noch nicht so genau, wie es wirklich zubereitet wird aber soweit wie ich das verstanden habe wird die Yams gekocht wie Kartoffeln und dann zu einem Brei verrührt und gestampft. Man kann sich diese Masse ein bisschen wie Knödel vorstellen, also keine Semmelknödel sonder die äh Anderen da, mir fehlt gerade der Name… Lächelnd

 Außerdem isst man in Togo viel Maisbrei, hier heißt es „la pâte“. Bei den Soßen kann man dann ganz viel variieren, es gibt zum Beispiel eine Gemüsesoße mit Tomaten und Anderem, dazu gibt es dann Fisch oder Fleisch oder halt eben vegetarisch. Mir schmeckt das ganze eigentlich gut, manchmal ist es noch gewöhnungsbedürftig aber wie sagt man hier so gerne in Togo: Ca va aller!

la pâte Fufu

Ein weiteres Phänomen hier ist die Sache mit dem Müll! Togo ist eine Nation, die sicherlich bei weitem nicht so viel Müll verursacht wie Deutschland, aber im Vergleich zu Deutschland ist der Müll viel sichtbarer in Togo. Der Müll wird einfach auf die Straße geschmissen, es gibt auch so eine Art Müllhalde, wo einfach alles auf ein Feld geschmissen wird und nach und nach werden Löcher gegraben, in denen die Abfälle dann verschwinden. Oder sie werden einfach verbrannt, weswegen es des öfteren auf den Straßen echt ungesund riecht. Für mich ist das ganz seltsam, die Leute machen sich glaub ich auch ein bisschen darüber lustig, aber dadurch, dass hier Mülleimer wirklich fast einzigartig sind, laufe ich ständig mit irgendwelchem Müll in der Hand durch die Gegend, weil ich mich dagegen sträube, das Zeug einfach auf den Boden zu schmeißen. Jahaa, Marleen die Ökoschnecke, so komme ich mir manchmal vor Zunge raus

Ein Erlebnis, worüber ich jedes Mal wenn ich darüber nachdenke, lachen muss, ist bei der anderen WG passiert. Sie haben die „Müllabfuhr“ bestellt, um ihre Mülltüten abholen zu lassen. Dann ist da also ein Mann gekommen, der sich die Tüten geschnappt hat, auf die andere Straßenseite des Hauses gegangen ist, und den Müll da in einen Graben geschmissen hat. Dann ist er zurück gekommen und unsere lieben Freiwilligen mussten ihn für diesen grandiosen Dienst bezahlen! Ganz großes Kino!!

 

Für Alle, die noch immer meinem Geschwafel folgen, kommen hier noch einige weitere biologisch hochqualitive Erforschungen:

Kakerlaken können schwimmen! Das können sie wirklich, und zwar richtig gut, sie beherrschen eine Art Brustschwimmen! Außerdem: Kakerlaken sind in der Lage, zu fliegen. Da sie aber so fett sind, sind ihre Flugbahnen sehr unkoordiniert und es passiert auch mal, dass sie ihre Flugziele verfehlen und auf Menschen landen(oder sind das vielleicht ihre Ziele, ich weiß es nicht aber ich bitte sie inständig, mich bitte bitte(!!!) nicht noch mal anzufliegen, da hört meine Tierliebe auf!!!) Ich sollte vielleicht einige Studien über diese Viecher schreiben!

Naja, ich mache jetzt wohl besser mal einen Punkt. Ich hoffe, euch geht es gut da oben in der ewigen Kälte, ich vegetiere hier gerade in der Hitze vor mich hin, und lasse bald wieder von mir hören. Bis dahin, ihr wisst was zu tun ist: Haltet die Ohren steif!

Eure Freundin der Nacht, Tata Marleen!

Hier noch einpaar Fotos :)

Atakpamé Sonnenuntergang von unserer Terasse aus Christian beim Versuch, mir einen togoischen Tanz beizubringen. Unser Vorhof Yams schneiden Piments zermalen. Wirklich, diese Dinger sind so scharf, nach dem zermalen darf man sich mindestens 3 Tage nicht mehr in die Augen packen (Was für einen Kontaktlinsenträger wirklich unvorteilhaft ist!!!) Auf dem Weg nach Atakpamé Alle Lomé-Freiwillige Unsere Straße Pigments ins den Augen ist nicht schön!

So jetzt reicht's! Zwinkernd

 

Donnerstag, 26.09.2013

Freunde der Sonne!

Ich bin in Togo! Verrückt! Ja, das ist wirklich verrückt! Ich dachte immer, ja mein Auslandsjahr in Togo, dass ist ja noch lange hin, sogar als es am Tag vorm Abflug war habe ich noch gedacht: „Bis ich nach Togo gehe habe ich ja noch ellen lang zeit…“ Und jetzt bin ich „schon“ über eine Woche hier.

Ich habe mir überlegt, alles aufzuschreiben was ich bis jetzt erlebt habe und euch von jedem kleinsten Detail unseres Tagesablaufes zu berichten, ist irgendwie für Beide Seiten anstrengend, also werde ich mich auf eine bestimmte Auswahl an, meiner Meinung nach am wichtigsten, Erlebnissen und Phänomenen beschränken…

Das erste Phänomen: Togo ist der Wahnsinn! Ich habe schon so viel erlebt und gesehen, ich weiß gar nicht so genau wo ich da anfangen soll.

Vielleicht einfach mit unserer Ankunft. Wir sind super abgeholt worden und in unseren Wohnungen angekommen. Fragt mich nicht wie ich es geschafft habe, all mein Gepäck zu tragen, bei fast 50 Kilo Klamotten und Zeugs, waren meine Taschen ziemlich ausgedehnt. Aber irgendwie ist jetzt mein Hab und Gut in unser Haus gelangt. Dieses Haus ist ziemlich cool und groß! Ich schicke ein paar mehr Bilder, sobald das Internet (oder wie ich es hier gerne sarkastisch nenne „SPRINTERNET“) das zulässt.…

Auf dem hier sieht man schon mal den Blick von unserem Dach auf einen Teil der Stadt, wir hängen hier auch immer unsere Wäsche auf.

Blick auf unserem Dach

Die Wohnung ist gut eingerichtet, wir haben  sogar einen Kühlschrank und drei Duschen, zwar kalt aber man ist dadurch auch schnell fertig. Und duschen muss man hier immer. Weil durch die Temperaturen die sich, wenn sie gnädig sind, auf gefühlte 30 Grad, beschränken, ist man dauerhaft am schwitzen und am kleben. Aber abends sieht das ganze dann schon besser aus, mit einer leichten kühlen Briese vom Mehr kann man es sehr gut auch mit längeren Klamotten aushalten, welche man aufgrund der Moskitos sowieso tragen sollte. Moskitos, ja das ist so ein Thema für sich. Natürlich haben wir alle Angst vor Malaria, und bei jedem Mückenstich den man hier entdeckt bekommt man Angst: Das könnte ja Malaria sein und glaubt mir, man kann sich Bauchschmerzen und Übelkeit wirklich herrlich einbilden wenn man will. Aber ich glaube, da wird man sich schon dran gewöhnen und außerdem sollte man immer bedenken: Hier in Togo lachen die Menschen über Malaria. Das ist zwar keine besonders große Beruhigung, vor allem nicht für meine lieben Eltern, weil in Europa hört sich Malaria immer direkt nach Tod und Verderben an, aber man sollte sich immer vor Augen halten das es 1000 mal schlimmere Dinge und Krankheiten gibt als Malaria. Außerdem habe ich in den Nächten hier, die man im Moment noch an den Händen abzählen kann, wirklich erstaunliche Künste entwickelt, Moskitos zu töten. Zwar schlafe ich hier unter einem Netz, aber trotzdem schleichen sich die Dinger ab und zu drunter und dann kann man nicht im Dunkeln unterscheiden, welche jetzt im, und welche jetzt außerhalb des Moskitonetzes sind. Die Jagt auf die kleinen, bzw eigentlich gar nicht so kleinen Viecher, hat mich schon einige Nächte auf den Beinen gehalten. Unsere bereits neuerrungenen togoischen Freunde nennen mich deswegen oft „la tueuse de moustique“…

 Insekten sind generell so eine Sache hier! Wir haben in unserer Küche eine nette Kakerlaken-Familie. Kakerlaken in MENSCHEN-Größe! Ich übertreibe aber es ist eine ziemliche Großfamilie!

Im Moment arbeite ich noch nicht, da die Kinder noch Ferien haben. Ab nächsten Montag geht es dann aber los. Bis dahin lernen wir schon einmal ein bisschen das Land kennen.

Wir waren schon auf einigen Märkten um Essen zu kaufen und am Strand waren wir auch schon, obwohl man dort leider nicht schwimmen kann, außer an ganz bestimmten Ecken. Wenn man als Weißer durch die Straßen geht, passiert es ziemlich oft, dass Kinder um einen herum tanzen und „Yovo, yovo, bonjour“ singen, was soviel heißt wie „Weiße, Weiße, guten Tag“. Auf dem Markt wird man auch oft einfach nur mit Yovo zu sich gerufen. Zu Hause sind immer viele Leute unterwegs. Sie kommen und gehen, mal mit, und mal ohne Ankündigung. Daran muss man sich hier noch gewöhnen. Dadurch, dass wir Freiwilligen hier schon ein bisschen bekannt sind von den Jahren zuvor, haben wir auch schon einige Freunde gefunden, die uns bei vielen Sachen helfen. Wenn sie vorbei kommen spiele ich oft mit ihnen Karten und solche Dinge.

Die Jungs machen für uns Foufou, ein togoisches Gericht

Die Jungs und ich beim Mau-Mau-Tunir!

Ein anderes Phänomen, welches definitiv für mich unter die Liste der nennenswerten Details gehört, ist hier der Verkehr. Jemand, der penibel mit Verkehrsregeln und Sicherheit im Straßenverkehr ist, und ein Problem damit hat, wenn seine Mitverkehrsteilnehmer auf jegliche Regeln verzichten, für so Jemanden habe ich einen wirklich guten Rat: Kommt nicht nach Togo, vor allem nicht nach Lomé! Es gibt keine Regeln. Fährt man auf eine Kreuzung, hupt man halt und hofft darauf, dass die Anderen schon warten werden. Es gibt sogar auf der Hauptstraße Asphalt, und an einigen Stellen sogar Markierungen für verschiedene Fahrstreifen, diese Markierungen werden aber einfach ignoriert.

Die Menschen hier bewegen sich zum größten Teil mit Mofas fort. Darüber hinweg gibt es auch einige, die Autos besitzen aber auf den Straßen sind wirklich die Mofas am dominantesten. Es gibt hier die sogenannten Moto-Taxen, das sind einfach Leute, die ihr Geld damit verdienen Taxi mit ihrem Mofa zu fahren. Es gibt glaube ich auch einige die zusammen arbeiten aber die meisten tun das auf eigene Faust. Auf diesen Moto-Taxen kann einfach alles transportiert werden. Das heißt nicht das man das unbedingt tun sollte, aber scheinbar gibt es hier in Togo den Begriff: „Das passt nicht“ nicht! Wirklich, ich habe schon die verrücktesten Dinge gesehen, was so ein kleines Mofa alles transportieren kann. Das reicht von großen Einkaufstüten zu Schubkarren, den zwei kleinen Kindern oder auch mal einfach einer 3. oder sogar 4. Person, bis zu Möbeln. Ich habe gestern sogar eine Frau gesehen, die einen ganzen Wohnzimmersessel auf dem Moto transportiert hat! Ich selber bin natürlich auch schon öfters Moto gefahren, interessant wird es dabei vor allem bei der Preisverhandlung.

   Die Hauptstraße, eine der wenigen asphaltierten Straßen, hier ist sie grade ziemlich unbefahren!

So, ich hoffe ich langweile euch nicht mit allzu vielen Informationen. Ich habe bloß schon so viele Dinge hier erlebt, von denen ich am liebsten alle erzählen würde.

Wenn ihr Anmerkungen oder Fragen oder ähnliches habt, dann schreibt mir einfach oder lasst einen Kommentar da, ich würde mich freuen J

 

Bis dahin, haltet die Ohren steif!

Eure Freundin der Nacht

 Marleen

Donnerstag, 08.08.2013

Freunde der Nacht!

Hallo ihr Lieben,

Jetzt bald ist es soweit! Ich werde, wie Viele wahrscheinlich bereits wissen, nach Togo gehen. Für ein ganzes Jahr. Mitte September geht es los! In Lomé werde ich einen Freiwilligendienst in einer Schule und einem Waisencenter machen. Ich dachte mir, es wäre ganz cool, wenn ich euch irgendwo von meinem Leben in Togo erzählen, und euch vorallem über meine Arbeit mit den Kindern am Laufenden halten kann.

Ich danke hier schon einmal Allen, die mir geholfen haben und ich bedanke mich auch jetzt schon für all die Spenden für die geplanten Projekte. Sobald ich in Afrika angekommen bin, werdet ihr hoffentlich in Kürze von mir hören.

Bis dahin,

liebe Grüße

eure Marleen